Portrait Dr. Sandrina Meldau

Dozentin und Coach im Studiengang CAS Leadership.

Sandrina Meldau ist Dozentin an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und Inhaberin der Consulting-Firma «Performance intelligent» GmbH. Das Unternehmen, das Sandrina Meldau auch heute noch führt, wurde im Jahr 2013 gegründet und unterstützt seither Führungskräfte dabei, ihre Ziele effizient und effektiv zu erreichen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte umfassen Organisationsentwicklung und Executive Coaching – Themen, die aufgrund des durch Globalisierung und Digitalisierung ausgelösten Wandels in vielen Organisationen immer wichtiger werden.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit greift Sandrina Meldau auf ein breites Spektrum an Führungs- und Beratungserfahrung zurück und verbindet ein klassisches mit einem systemischen Organisationsverständnis. Zu ihren Kunden zählen Gross- und mittelständische Unternehmen, Verbände, Non-Profit-Organisationen sowie staatliche Organisationen. Nach ihrem Studium arbeitete die Diplom-Betriebswirtin (Universitätsabschluss, Dr.) als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Unternehmensführung und Marketing der Universität Basel, bildete sich fortlaufend in den Bereichen Change-Management, agile/neue Organisationsformen, Coaching usw. fort. Zuletzt war sie als Leiterin Service & Quality bei der Credit Suisse AG sowie als Head of Brand and Marketing Management bei der Swiss Life Group und Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss Life Intellectual Property Management AG tätig.

Kurzinterview mit Dr. Sandrina Meldau

Frau Dr. Meldau, was hat Sie dazu bewegt, als Dozentin in den Bereichen Unternehmensführung und Management zu arbeiten? Was gefällt Ihnen besonders an dieser Tätigkeit?

Meldau: Mir macht es Freude, Praxis, Lehre und Forschung miteinander zu verbinden. Meine Studierenden profitieren von meiner Praxiserfahrung. Gleichzeitig kann ich Erkenntnisse aus der Forschung wieder in laufende Beratungsprojekte integrieren. So profitieren alle Seiten.

Wo sehen Sie bei konventionellen Führungs- und Management-Weiterbildungen Verbesserungspotenziale?

Meldau: Ich treffe Führungskräfte, die ganz unterschiedliche Aus- und Weiterbildungen absolviert haben. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass in vielen Programmen und Kursen immer noch das «Wissenslernen» – meist noch frontal im Unterricht – im Vordergrund steht. Das Daily Business vieler Organisationen ist jedoch von zunehmender Unsicherheit und Komplexität geprägt. Dies ist auch mit ein Grund dafür, dass klassische Führungskonzepte immer mehr an ihre Grenzen stossen. Hier ist es deshalb sehr wichtig, im Sinne des «Kompetenzlernens», Fähigkeiten zu trainieren, sich selbst die relevanten Fragen zu stellen, nach Antworten zu suchen und diese anschliessend auch zu überprüfen. Dabei soll auch der Wissens- und Erfahrungsschatz des Umfelds stärker miteinbezogen werden. Zweifel zulassen und Unsicherheit aushalten – dieser Aspekt muss in modernen Management- und Führungsweiterbildungen unbedingt stärker gewichtet werden. Darüber hinaus braucht es meiner Meinung nach auch ein «Haltungslernen» – also die Frage, wie ich mit mir selber und mit meinem Gegenüber umgehe.

Wie würden Sie Ihre Führungsgrundsätze kurz und knapp umschreiben?

Meldau: Es ist von zentraler Bedeutung, als Führungsperson die Richtung vorzugeben und die Vision sowie die Beweggründe dahinter als Motivation zu kommunizieren. Mitarbeitende sollen zudem experimentieren, reflektieren und aus Fehlern lernen dürfen. Nur so werden Ergebnisse erzielt.

Kann man Unternehmensführung überhaupt erlernen bzw. lehren?

Meldau: Ja, viele Fähigkeiten sind lehr- und lernbar. Gute und kompetente Führungskräfte werden nicht als solche geboren – sie entwickeln sich mit der Zeit. Sie reifen an den Aufgaben und Herausforderungen sowie an den daraus gewonnenen Erfahrungen. Durch kritische Reflexion gewinnen sie an Selbstkenntnis, was den eigenen «Wachstumsprozess» ungemein fördert. Beschleunigt werden kann dieser Lernprozess zudem durch passende Führungsweiterbildungen und eine zusätzliche Perspektive im Rahmen eines Executive Coachings.

Wie haben sich Ihre Führungsgrundsätze über die Jahre hinweg verändert?

Meldau: Als Coach und Organisationsberaterin nehme ich Führungskräfte von aussen wahr. Mit zunehmender Dynamisierung der Märkte und Rahmenbedingungen kann die Effizienz eines Unternehmens – mit Optimierungs- und Rationalisierungsmassnahmen – zwar verbessert, dass Überleben des Unternehmens jedoch nur zum Teil gesichert werden. Viel wichtiger ist heute die «Belastbarkeit» der Organisation. Hier sind die Nutzung der eigenen Handlungsbandbreite, die Initiative und Kreativität der Mitarbeitenden sowie die Vernetzung untereinander und nach aussen gefragt. Echte Stärke und tatsächliche Belastbarkeit kann nur geschaffen werden, wenn die Bürokratisierung zurückgefahren und Raum für neue Erfahrungen gegeben wird sowie die uns antrainierten Muster kritisch hinterfragt werden. Gute Führungskräfte sollten deshalb immer mehr die Rolle eines «fragenden Beifahrers» einnehmen.

Wo sehen Sie für die Zukunft die grössten Herausforderungen für Führungskräfte und Manager/Managerinnen?

Meldau: Wie schon angesprochen sind viele Märkte aufgrund der Globalisierung und Digitalisierung im Umbruch. Unternehmen und ihre Führungscrews sind gezwungen, mit diesem Wandel mitzuhalten. Change wird zu einem Dauerthema. Dies stellt bezüglich Kompetenzen neue Anforderungen an die Führungskräfte. Zum einen gilt es, sich als Führungskraft «hard skills» anzueignen, wie man unter diesen Rahmenbedingungen ein Unternehmen steuern kann. Einige Schlagwörter sind hierzu z.B. Digital Leadership, Agilität, Vernetzung, Rollenflexibilität usw.. Zum anderen gewinnen «soft skills», wie die Bereitschaft zusammenzuarbeiten, Kritikfähigkeit sowie die Fähigkeit, «leise Signale» wahrzunehmen und in die eigenen Überlegungen einzubauen, zunehmend an Bedeutung. Insgesamt gesehen kommt aus meiner Sicht dem Management mehr Vorbildfunktion zu als bislang, denn hier wird die Veränderung initiiert und anschließend aktiv vorgelebt.

Beenden Sie den folgenden Satz: Es ist ein gefährlicher Trugschluss, …

Meldau: … eine Organisation von heute auf morgen „agil“ und „digital“ machen und dabei auf bewährte Managementansätze verzichten zu wollen. Die neuen, agilen und selbstbestimmten Arbeitsformen bieten sicherlich eine Vielzahl an Vorteilen, die jedoch fallspezifisch geprüft und gezielt einzusetzen sind, damit sie bei Einführung auch den gewünschten Mehrwert bringen. Zu beachten ist jedoch auch, dass in Unternehmen Bereiche bzw. Funktionen existieren, die von einer hohen Stabilität und Kontinuität gekennzeichnet und mit traditionellen Arbeitsmethoden im Augenblick gut aufgestellt sind. Eine Führungskraft, die in diesem Umfeld Erfolg haben will, wird nicht «darum herumkommen», ein harmonisches Miteinander der «alten und der neuen Welt» zu ermöglichen und gleichzeitig den Sprung von der alten Welt in die neue Welt vorzubereiten. Hierfür sind die Mitarbeitenden in der bisherigen Welt «abzuholen» und «mitzunehmen». Gleichzeitig gilt es, diese neue Welt für das Unternehmen aufzubauen.

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