International Leadership Forum Luzern: Erfolgsrezepte für KMU-Internationalisierung

Bild: International Leadership Forum Luzern vom 26. Juni 2019

Autor: Sebastian Huber

Oft sind sie die globalen Champions ihrer Branche: hochspezialisierte Schweizer KMU mit aussergewöhnlichen Fertigungskompetenzen und einem Produkt oder Service in absoluter Topqualität. Swiss made eben. Mit begrenzten Wachstumsmöglichkeiten auf ihrem Schweizer Heimmarkt drängen diese KMU schnell ins Ausland, wobei sie häufig nicht auf erprobte Internationalisierungsstrategien zurückgreifen können. Ihre Internationalisierung verläuft nämlich ganz anders als bei Grossunternehmen, wie eine Forschungsstudie der Hochschule Luzern ergeben hat. Wie sich KMU trotz beschränkter Ressourcen und mit vergleichsweise einfachen Mitteln im internationalen Geschäft erfolgreich behaupten, diskutierten wir mit Führungskräften am ersten International Leadership Forum Luzern (ILFL).

In drei Phasen zum internationalen Erfolg

Die Praxisbeispiele am ILFL untermauern unsere Forschungsergebnisse, dass der Internationalisierungsprozess bei KMU anders als bei Grossunternehmen verläuft. Ihre Internationalisierung erfolgt in schnellen Zyklen, orientiert sich an Gelegenheiten und ist dabei stark vom Entrepreneurship und den Managementkompetenzen der Führungskräfte abhängig. Eine Start-Phase ist geprägt vom Experimentieren und der Ideenfindung. Dabei dient das private und berufliche Netzwerk dazu, rasch und kostengünstig Informationen zu sammeln und erste Internationalisierungsideen zu entwickeln. In einer Konsolidierungs-Phase werden diese Informationen verdichtet und erste Pilotprojekte entwickelt, um die Internationalisierungsideen zu testen. Erst in einer Etablierungs-Phase werden Ressourcen gezielt eingesetzt und mutig die erfolgsversprechenden Lösungen skaliert und umgesetzt.

Der Austausch mit den Führungskräften am ILFL hat uns vor Augen geführt, wieviel Mut es braucht, den ersten Schritt zu wagen und ins kalte Wasser unbekannter Märkte zu springen, aber auch, dass diese Risikobereitschaft Grundvoraussetzung für internationalen Erfolg ist. Denn nur durch das Experimentieren und Testen möglicher Internationalisierungsideen kann jede Unternehmerin und jeder Unternehmer die für ihr oder sein KMU individuell beste Vorgehensweise finden und die begrenzten Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt erfolgsversprechend einsetzen. Auch hilft das grundlegende Bewusstsein, dass die Internationalisierung eines KMUs eben nicht gradlinig, sondern in schnellen, zyklischen Phasen durchlaufen wird. Wenn also im ersten Versuch der Durchbruch nicht gleich gelingt, so ist das zwar enttäuschend, aber auch durchaus zu erwarten, denn mit schnellem Ausprobieren und Lernen gehen KMU bei ihrer Internationalisierung vor.

Internationalisierungskompetenz bewusst auf- und ausbauen

Erfolgreiche Internationalisierung ist in erster Linie Führungsaufgabe. Das eigene KMU im Ausland erfolgreich zu positionieren erfordert unterschiedliche Führungs- und Managementkompetenzen aus den Bereichen Risikobewusstsein, Strategie, lernfähige Organisation, Unternehmergeist, interkulturelle Kompetenz, internationale Partnerschaften und Marktorientierung. Die am ILFL präsentierten Erfolgsbeispiele haben gezeigt, wer sein KMU und seine Internationalisierungskompetenzen kennt, kann den Hebel am richtigen Ort ansetzen und mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine grosse Wirkung erzielen. So kann selbst das beste Produkt im Ausland nur dann erfolgreich sein, wenn es dort auf die Kunden- und Marktbedürfnisse passt. Auch gelingt es nur dann einen neuen Markt zu erobern, wenn auch das Verkaufspersonal vor Ort vom eigenen Produkt begeistert ist.

Unternehmerinnen und Unternehmer unterstrichen am ILFL wie wichtig ein Bewusstsein für die eigenen Internationalisierungskompetenzen ist, um diese mit jeder Phase des Ausprobierens zu stärken und dazuzulernen. Langfristiger Erfolg erwartet diejenigen KMU, die mutig durch die drei Phasen schreiten und ihre Ressourcen immer wieder neu einsetzen – zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort.

Wer sich und seine Internationalisierungskompetenz richtig einschätzen und ausbauen möchte, kann dies mit dem Messinstrument „Assessment KMU-Internationalisierung“ (Kontakt: Thomas Affolter und Prof. Dr. Ingo Stolz) und mit einer praxisnahen Weiterbildung wie dem CAS International Leadership oder dem MAS International Management / Doctor of Business Administration.

Das International Leadership Forum Luzern findet auch nächstes Jahr wieder Ende Juni statt. Hier finden Sie unsere Studienergebnisse und bleiben bis zum ILFL 2020 up to date: www.hslu.ch/ilfl

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